Sharkschool mit Dr. Erich Ritter


Mit Dr. Erich Ritter und Robert Wilpernig in Guadalupe
Mit Dr. Erich Ritter und Robert Wilpernig in Guadalupe

 

 

  Sharkschool                                                 OKT.09

 

  26 Taucher aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, trafen nach einer anstrengenden Anreise, in der kalifornischen Stadt San Diego ein.

Es waren durchwegs erfahrene Kollegen, die sich teilweise bereits als UW- Filmer oder Fotograf einen Namen gemacht haben.

Da die außergewöhnliche Zusammenstellung dieser Reise zum ersten Mal stattfand, war auch der Organisator Robert Wilpernig von Wirodive persönlich vor Ort.

Am ersten Tag stand ein Ausflug ins Seaworld am Programm.

Die weltberühmte Orcashow zog uns alle in ihrem Bann. Einmalig was uns diese Tiere zeigen konnten.

Nachmittag waren wir zu Besuch beim riesigen Flugzeugträger USS Midway , der am Hafen als Museum vor Anker liegt.

Hier bekamen wir einen Einblick in das Leben der Matrosen und Piloten, die auf diesem Schiff im Vietnamkrieg ihren Dienst versahen.

Tags darauf wurde uns Dr. Erich Ritter vorgestellt, bei dem wir durch tägliche Vorträge, die Sharkschool absolvieren wollten.

Mit ihm setzten wir in einer einstündigen Fährenfahrt auf die Insel Santa Catalina über, wo wir uns im Hafenort Avalon in einer anderen Welt wieder fanden.

Wie durch eine Zeitreise schienen wir in den fünfziger Jahren gelandet zu sein.

Jedes Lokal, Hotel oder Restaurante war mit Requisiten und Fotos der damaligen Zeit dekoriert. Die Insel diente bereits über 200 Kinostreifen als Filmkulisse. Heute ist die Insel ein beliebtes Wochenendziel für alle Arten von Feiern.

Aber auch unter Wasser fanden wir an den 3 Tauchtagen eine einmalige Traumwelt vor.

Es war ein Genuss durch die sonnendurchfluteten, wild verwachsenen Kelpwäldern zu schweben.

Durch das gleichmäßige Klima in Verbindung mit der dort außergewöhnlichen Ruhe des Pazifiks, findet das Kelp,  rund um die Insel optimale Bedienungen vor.

Diese Tangart kann bis zu 60m lang werden und ist somit die größte Wasserpflanze der Welt.

Der Wächter dieses Unterwasserurwaldes ist der grellorange Garibaldi, der Nationalfisch Kaliforniens. Auf der Fahrt zu den Tauchplätzen begleiteten uns täglich Delphine, Seelöwen und sogar ein Marlin, der uns durch seine Sprungshow faszinierte.

Die Seelöwen waren aber unter Wasser sehr scheu und auch enorm schnell. So gelang es mir nur einmal diese abzulichten.

Ebenfalls eher seltene Begegnungen  gab es mit Leopardenhaien, Stierkopfhaien und Ammenhaien. Die Wassertemperatur lag an der Oberfläche bei 21°. Bei einem Besuch auf 40m fand man sich in einer Umgebungstemperatur von kühlen13° wieder.

 Abends führte uns Dr. Erich Ritter schrittweise bei Lichtbildervorträgen in seine Welt der Haie ein. Seine Sharkschool hat das Ziel die Vorurteile gegenüber den Haien abzubauen um den größten Ökologiewächter dieser Welt zu schützen.

Er bereitete uns auch auf den Superpredator vor und lehrte uns seine Körpersprache.

Zur Unterstützung seine Forschungsarbeit sollten wir Notizen zum Gechlecht, Größe, besondere Verhaltensweisen und Merkmalen machen.

Da der weiße Hai ein Lang- und Kurzzeitgedächtnis besitzt, entwickeln sie auch unterschiedliche Charakteren.

Um dies auch in der Praxis  beobachten zu können, brachte uns ein Bus über die mexikanische Grenze, wo in einem Hafen die MV Nautilus Explorer auf uns wartete, um uns in einer 22stündigen Fahrt auf die Insel Guadalupe zu bringen.

Die Überfahrt war bei 6m hohen Wellen extrem unruhig und nach der Ankunft bekam das Boot zu allererst eine notwendige Grundreinigung.

Als am nächsten morgen die Weißfärbung aus den Gesichtern verschwunden war, wurden die Tauchvorbereitungen getroffen.

Seitlich wurden die Tiefenkäfige montiert und Achtern kamen 2 Oberflächenkäfige ins Wasser.

Im kleinen Tiefenkäfig fanden 2 Taucher Platz und ein Guide, der die Lufttanks bediente und ein Auge auf die Schläuche der Oberflächenluftversorgung hatte.

Im großen Käfig war Platz für 4 Taucher plus Guide.

Zur zusätzlichen Sicherung wurde pro Taucher eine Druckluftflasche mit Regler im Käfig montiert.

Für die Tiefenkäfige wurde eine Liste erstellt, damit alle Teilnehmer 3 Mal je 30 Minuten Grundzeit pro Tag auf 12 Meter Tiefe verbringen konnten.

Wem dies zuwenig war konnte jederzeit in einem der Oberflächenkäfige Platz nehmen.

Die Anfütterung mit blutenden Ködern wurde vor einem Jahr verboten, so wurden lediglich kleine Fischköpfe aus der Kühltruhe an einer Schnurr toleriert.

       Die Spannung stieg an, als der Guide die Tanks flutete und wir im Käfig abwärts glitten.

Der Köder wurde ausgelegt und dann starrten wir angestrengt ins dunkle Blau des Pazifiks.

Immer wieder warf man Kontrollblicke auf die Tauchkollegen und auf den zweiten Käfig, ob  irgendwer eine hektische Geste von sich gab. Dann war es so weit!

Wir hielten automatisch den Atem an, als sich eine riesige Gestalt aus der Dunkelheit zu schälen schien. Das rund 4m große Weibchen war enorm vorsichtig. Erst nach einigen Minuten wurden ihre Kreise enger und wir sahen erstmals in dieses scheinbar bösartig grinsende Maul. Es war ein ergreifendes Gefühl. Nach einer Viertelstunde fiel mir ein, dass ich eine geladene Kamera in den Händen hielt, die auf ihren Einsatz wartete.

Leider fand an diesen Tagen die Sonne keinen Weg durch das dicke Wolkenband, so dass sich das Fotografieren enorm schwierig gestaltete. Mit dem recht schnellen Tier und seiner kontrastlosen Tarnung auf der Oberseite, hatte der Autofokus so seine Probleme und man musste zu einigen Tricks greifen. So wurde der Köder fokussiert und man versuchte bei dieser Aufnahmedistanz auszulösen. Wenn sich das Tier drehte, kam durch seine weiße Unterseite ein besserer Kontrast zu Stande, wo sich auch die Kamera leichter tat.

Beim dritten Abstieg wollte ich das Erlernte von Dr. Ritter anwenden, stieg aus dem Käfig und klemmte die Dachreling zwischen meinen Füßen ein und setzte mich darauf.

Ich beobachtete gespannt das Verhalten der Tiere und  diese ließen klar erkennen, dass sie mich weder als Beute einstuften, noch als Angreifer.

Sie beobachteten uns zwar mit ihren finsteren Blick, aber wenn überhaupt, dann war nur der Köder interessant, den sie sich zumeist in einer Blitzaktion holten.

Wir hatten bei all diesen Tauchgängen keine einzige Attacke auf uns oder unseren Käfig und somit hatte ich am Dach meinen Stammplatz gefunden, wo ich ungehindert von Stäben fotografieren und filmen konnte.

Das größte Tier hatte rund 5 Meter Länge und gleichzeitig waren maximal 3 Haie um uns.

     Nach diesen Erfahrungen sehe ich den weißen Hai mit völlig anderen Augen und ich hoffe dass ich mit diesem Bericht und meinen folgenden Filmvorträgen auch andere davon überzeugen kann, dass diese vom Aussterben bedrohte Spezies unseren besonderen Schutz bedarf……..

 

Heinz Toperczer