Flusstauchen in der Verzasca und Maggia


 

 

Es war schon ein lang gehegter Wunsch nach 8 Jahren Abstinenz wieder eines meiner Lieblingsziele in den

Schweizer Bergen  zu betauchen. Nicht nur die dort beheimateten Flüsse Verzasca und Maggia  zogen mich

seither magisch an, sondern auch das komplette Umfeld im Tessin.

Natur pur empfängt einem hier in diesen Schluchten mit einer sichtbar und faszinierenden  

Jahrhunderten  alten Geschichte. Auch der hier spezielle mediterranische  Einfluss ist eine Besonderheit gegenüber unserer gewohnten Bergwelt der restlichen Schweiz oder Österreichs.

Sogar einzelne Palmen überleben hier durch diesen klimatischen Vorteil. Die Verzascahäuser (Rustici)

aus grauem Stein mit weißen Umrandungen an den Fenstern und schweren Granitdächern sind

typisch für das Tal.           

Als Mensch fühlt man sich demütig und klein, wird aber gleichzeitig überwältigt von dem smaragdgrünen kristallklarem  Wasser dieser gewaltigen Gebirgsflüsse umrandet von glattgeschliffenen  und riesigen weißen Steinblöcken aus fast reinem Quarzgestein. 

 

 

 

 

Fotomotive über Wasser findet man an jeder Ecke,

 aber die bekanntesten sind die Römerbrücke in

Lavertezzo die im Mittelalter gebaut wurde und das

markante Dorf Corripo, , welches seinen Charakter

völlig unberührt bewahrt hat. Das Dorf wurde zum

Denkmal von nationaler Bedeutung erklärt und steht

unter Heimatschutz.

 

      Wir haben bewusst  unser Quartier in Vogorno gewählt, da es unmittelbar neben dem Hotel bei einer Bushaltestelle eine Füllstation gibt, die direkt in die Felswand eingebaut wurde und für eigenständiges Füllen konzipiert wurde. Den Schlüssel mit einem Ladebon kann man bei der Rezeption des Hotels erhalten. Leider war die Wettervorhersage für die kommenden Tage nicht optimal und wir mussten die Tauchplätze dem Lichteinfall, der zu dieser Jahreszeit schon sehr tief ist, anpassen. Der Trost war eine sehr gute Wasserqualität, da es in den vergangenen Tagen nicht geregnet hatte und es damit auch kein Hochwasser gab. Das Flusstauchen darf keineswegs unterschätzt werden. Leider birgt diese Schönheit auch eine tödliche Gefahr, die jedes Jahr unerbittlich seine Opfer fordert. Der Fluss bildetet im Laufe der Jahrtausende einzelne größere Becken die bis zu 15m tief sein können. Durch die Größe dieser "Gumpen" spürt man hier kaum eine Strömung.  Die Gefahr droht aber am Ende dieser Wannen, wo die Strömung  radikal durch die Verengung zunimmt, so dass man in die tödliche Situation kommen kann, von dieser mitgerissen zu werden. Hier helfen bei starker Strömung vor dem Flusstrichter ein Schwimmseil  quer über den Fluss zu spannen und zuvor den Ausgang unter Wasser deutlich markieren. Bei einem drohenden Gewitter muss man schnellstens das totale Flussbett verlassen, das der Fluss in minutenschnelle gewaltig an Masse zulegen kann. Dafür wurden etliche Warnschilder an den Parkplätzen montiert. Zusätzlich muss man meist einen steilen steinigen Weg bis zum Flussbett in Kauf nehmen, der oftmals je nach Witterung sehr rutschig sein kann. Hier ist ebenfalls  Vorsicht geboten.

Die Sonne versteckt sich leider hinter dichten Wolken als wir bei der Römerbrücke ins rund 9 Grad kalte Wasser steigen. Bis auf das Licht finden wir aber sehr gute Bedingungen vor. Die Strömung ist nicht stark und wir genießen den Anblick der dominanten Naturzeichnungen auf den glatt geschliffenen Felsen unter Wasser. Nach etlichen Aufnahmen versuchen wir auch Halb Halbaufnahmen von der einmaligen Kulisse dieser historischen Brücke. Am nächsten Morgen sagt uns der Wetterdienst den schönsten Tag dieser Tage voraus und wir berechnen die optimale Einstiegszeit beim Kurt Amsler Becken.  Punktgenau beim Abtauchen schiebt sich die Sonne über den Waldrand und ergibt ein herrliches Lichtspiel am Flussgrund. Jetzt macht mir das Fotografieren natürlich besonderen Spaß. Hier versucht man einfach einmalig herrliche Eindrücke nicht nur mit der Kamera, sondern auch in sich selbst aufzusaugen....

Am dritten Tag begrüßt uns leichter Regen beim Frühstück. Wir machen uns zu meinem Lieblingsplatz auf und besuchen nach einer Fahrtzeit von rund 40 Minuten das Nachbartal wo die Maggia ihr tiefes Bachbett gegraben hat. Von unserem Parkplatz aus sieht man den Fluss kaum und so gehen wir rund 300m an der Straße entlang bis wir eine Brücke erreichen. Sehr tief unter uns zwängt sich die Maggia durch eine steile Schlucht, genannt "Wolfsrachen". Die fast weißen  Seitenwände machen diesen Tauchplatz schon fast unnatürlich. Nach 10 Minuten ist man dann hier durch und dann beginnt der anstrengendste Teil dieses Urlaubes. Ich muss mit meiner schweren Ausrüstung quasi über Stock, Stein und Wasser eine nicht gerade kurze Strecke entlang des Flussbettes überwinden. Die bewässerten Steine sind enorm rutschig und es kommt zu mehreren Stürzen in unserem Team. Gottseidank blieb dabei die Ausrüstung verschont. Beim Ziel angekommen, sind die Strapazen in den Gesichtern nicht abzustreiten und so legten wir eine verdiente Pause ein. Was einem Taucher danach erwartet ist einfach nur mit "großartig" zu beschreiben. Zuerst taucht man in ein riesiges Pool, das fast 20m tief ist. Am anderen Ende aufgetaucht erwartet uns ein gewaltiger Lärm. Aus einem Felsloch fällt ein gewaltiger Wasserstrahl aus rund 15m Höhe in ein eigenes 3m tiefes ausgehöhltes  Becken, das man nicht umsonst "Waschmaschine" nennt. In dem luftgesättigten Wasser tummeln sich viele Forellen. Während sich diese gekonnt in die ungleichmäßigen Strömungen stellen, beutelt es uns unter dem Wasserfall so enorm herum, dass  der Luftverbrauch durch unser Lachen extrem anstieg..... Am Retourweg am Ende des tiefen Beckens sind einige mächtige Baumteile unter riesigen Felsen jahrzehntelang eingekeilt. Hier konnte ich trotz schlechter Lichtverhältnisse aber mit Hilfe von mitgebrachten Sklavenblitzen einige recht zufriedene Ergebnisse in die Kamera bringen.

   Es gibt sehr viele Urlaubstaucher unter uns, die nur in den verschiedensten Meer tauchen wollen. Diesen kann ich nur empfehlen, einmal diese Schönheiten bei uns in den Alpenregionen zu betauchen. Ich bin mir sicher dass so mancher seine Einstellung zum Süßwasser ändern würde....