Eine wertvolle Fracht


    

 

     Vorsichtig lässt Noni, mein kroatischer Tauchfreund, Luft in den riesigen Hebeballon

einströmen. Wir befinden uns in rund 6 Meter Tiefe bei mittlerer Sicht und rund 12 Grad Wassertemperatur. Die 6 großen Paletten wurden am Vortag mittels Schiffskran in diesem Seichtbereich des Kanals abgeladen, wo Noni auch seine Muschel züchtet.

Der Sack füllt sich und die Ketten ziehen an der rund 500 kg schweren Last.

Mit einem Ruck löst sich die Ladung vom schlammigen Boden und nimmt mir augenblicklich den Sichtkontakt zu meinem Buddy.

Der Zeitpunkt ist da, wo man alle Kraft zu den Flossen sendet, um den gewünschten Schub zu erreichen. Und es funktioniert. Die Ware setzt sich in Bewegung und gleitet am Abhang in die Tiefe. Wir machen uns die kalkulierte Strömung zu Nutze, die hier alle 6 Stunden wechselt. Nach ein paar Metern sitzen wir wieder fest und es muss neuerlich Luft in den Ballon geblasen werden. Dieses Spiel wiederholt sich solange, bis wir die Wunschtiefe von

20 Metern erreicht haben.

Wir sind erleichtert, dass durch den Transport keine Schäden entstanden sind.

Es handelt sich um rund 1000 Flaschen gefüllt mit einem Sekt der Nobelklasse.

Auf dieser Tiefe findet er die gewünschte Temperatur, um luftdicht abgeschlossen, optimal reifen zu können. Die Flaschen befinden sich in einem wunderschönen, amphorenähnlichen Tonmantel. Der Kanal mit seinem strömungsreichen Fliesgewässer wurde bewusst ausgewählt, um das Wachstum der Algen an der Flaschenhülle zu beschleunigen.

So bekommen sie ein natürliches, exklusives Outfit, der eine spezielle Preisklasse

rechtfertigen soll. ( Dieser steht noch nicht fest)

     Ob nun bessere Qualität oder nicht, die Optik macht ja bekanntlich einen Großteil unseres Geschmackes aus und ich hoffe doch, dass ich bei der Erstverkostung dabei sein darf.

 

Nachsatz: Sollten im Kanal fröhliche Fische gesichtet werden, so ist wahrscheinlich ein Leck bei den Flaschen entstanden. Aber im Gegensatz zu einem Ölaustritt müssen die Unterwasserbewohner nicht mit dem Tod kämpfen, sonder nur mit einem „Kater“.

 

2. Mai Posedarje/ Dalmatien                                                         Heinz Toperczer